Otto Baumberger

Otto Baumberger – Werber der ersten Stunde: Dieser Titel benennt, was Baumberger als Plakatgestalter auszeichnet. Denn anders als viele seiner Berufskollegen, die sich über einen Individualstil definierten, suchte Baumberger für jeden Werbeauftrag nach der adäquaten Form. Er begriff seine Plakate in erster Linie als Dienstleistung und trug mit dieser Haltung wesentlich zu einer Erneuerung des Mediums im heutigen Verständnis bei. In rund 40 Jahren schuf Baumberger über 200 Plakate für unterschiedlichste Kunden und fand dabei immer wieder zu erstaunlichen gestalterischen Lösungen. Sowohl die fehlende geradlinige Entwicklung als auch Baumbergers Weigerung, sich den ethisch-ästhetischen Idealen zu verschreiben, die den Modernismus im Grafikdesign einleiteten, verblüfften seine Zeitgenossen – und irritieren noch heute den Betrachter. Baumberger entzieht sich dadurch jeder eindeutigen stilistischen Verortung innerhalb der Plakatgeschichte, aber gerade in dieser Vielfalt der Ausdrucksmittel liegt auch seine besondere Modernität.

Baumbergers Ruhm als Plakatgestalter verdankt sich letztlich einem Paradox: Er erhoffte sich stets Anerkennung als freier Künstler, verstand das Plakatschaffen hingegen nur als Broterwerb. Aufgrund dieser klaren Trennung der gestalterischen Disziplinen verfolgte Baumberger nie den Anspruch, seine künstlerische Identität über die angewandte Kunst auszudrücken. Die intensive Auseinandersetzung mit den künstlerischen Avantgarden der Zeit kam seiner Gebrauchsgrafik aber ebenso zugute wie der freien Kunst. Auch Baumbergers fundierte handwerkliche Ausbildung und die lange Tätigkeit als Reproduktionslithograf halfen ihm, unterschiedlichste Stilrichtungen zu adaptieren. In den frühen Plakaten behauptet sich die ornamental-dekorative Vorliebe des Jugendstils neben pathetisch überhöhten Zeichnungen. Schon in den 20er-Jahren wechseln sich malerische, illustrative und formal streng reduzierte Plakate ab. In einigen seiner herausragenden Plakate findet Baumberger zu radikalen, grafischen Lösungen, die Bild und Schrift zum Signet stilisieren. Während einige seiner Arbeiten – die hohe Produktion bringt es zwangsläufig mit sich – mehr als belanglos sind, wurden andere zu Ikonen. Aber nur in der komplexen Zusammenschau, die Zweitrangiges neben Erstklassigem gelten lässt, kann Baumbergers Bedeutung verstanden werden.

Die vorliegende Publikation verweist auf den 1988 anlässlich einer Baumberger-Ausstellung im Museum für Gestaltung Zürich erschienenen Werkkatalog in der damaligen Reihe «Schweizer Plakatgestalter». Sie setzt damit die den Schweizer Klassikern des Plakats gewidmete Auseinandersetzung in der «Poster Collection» fort, verfolgt jedoch nicht den Anspruch eines Werkverzeichnisses von Baumbergers Plakaten. Vielmehr soll aufgezeigt werden, dass dieser die schweizerische Plakatgeschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit ihrer Entwicklung vom malerischen Künstlerplakat zum grafisch geprägten Corporate Design exemplarisch vertritt.

(Vorwort von Bettina Richter in: Otto Baumberger, Poster Collection 18, hg. von Museum für Gestaltung Zürich, Bettina Richter, Lars Müller Publishers, Baden 2008, S. 4.)

https://www.lars-mueller-publishers.com/otto-baumberger

Kurzbiographie

 

1889

Am 21.05.1889 wird Otto Baumberger in Zürich-Altstetten geboren.

In Zürich bei Emil Winter dreijährige Ausbildung zum Lithografen. Während der Lehre erhält er zugleich Unterricht bei Eduard Stiefel an der Kunstgewerbeschule Zürich sowie später an Luise Stadlers Kunst- und Gewerbeschule für Damen, wo ihm als männlicher Student Zugang gewährt wird.

1908

Ein Stipendium der Stadt Zürich ermöglicht ihm ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München (Matrikelbuch) und an der Académie Colarossi in Paris.

In dieser Zeit entstehen freundschaftliche Kontakte u.a. zu Hermann Huber, Reinhold Kündig und Hugo Laubi.

1910

Erste Teilnahme an einer Ausstellung, initiiert von der Zürcher Kunstgesellschaft. In der Folge bis in die 50er-Jahre ist Otto Baumberger bei Schweizer Gruppenausstellungen regelmässig präsent.

Von da an bis in die 40er-Jahre Schaffen von rund 230 Plakaten für die unterschiedlichsten Auftraggeber.

1911 Anstellung als Lithograf im Salon Wolfsberg, dem renommierten Lithografiebetrieb mit angefügter Galerie der Graphischen Anstalt J.E. Wolfensberger, Zürich
1913

Studium an der Grande Chaumière in Paris, finanziell ermöglicht durch regelmässige Plakataufträge für J.E. Wolfensberger im freien Arbeitsverhältnis.

Heimkehr wegen Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

1914 Aktiver militärischer Einsatz im Grenzdienst im Jura; selbst da breite dokumentationsfähige grafische Tätigkeit.
Für die Landesausstellung 1914 Postkarten- und Titelseitengestaltung
1917

Ausstattung sowie Illustration zahlreicher Werke für den Verlag Huber, Frauenfeld in enger Zusammenarbeit mit dem Verleger Walther Lohmeyer

Auftrag für das Erstellen der Theaterplakate für Bühnengastspiele am Deutschen Theater, Berlin, u.a. für die Oresteia.

Die Zeitschrift Das Plakat widmet Otto Baumberger eine ausführlich kommentierte Werkübersicht.

1918 Otto Baumberger wird künstlerischer Leiter der Graphischen Anstalt J.E. Wolfensberger, verantwortlich für Entwurf und Druck.
1920

Auf Empfehlung von Max Reinhardt Engagement als Bühnenbilder für die Aufführung des Urfaust von Johann Wolfgang von Goethe wiederum am Deutschen Theater, Berlin. Eine Daueranstellung eben da lehnt er ab.

1922 Rückkehr nach Zürich und Lehrtätigkeit an der Kunstgewerbeschule Zürich. Intensive Plakatproduktion mit immer breiterem Arbeitsfeld. Festschrift und Mappenwerke für Stadt und Kanton Zürich, Briefmarken für die Schweizerische Post, Buchillustrationen, Wandmalereien. Engagement für die Satirezeitschrift Nebelspalter und für das Zürcher Stadttheater (heute Schauspielhaus Zürich).
1927 Künstlerische Zusammenarbeit und Heirat mit der Grafikerin Johanna Pulfer. Bei den meisten Plakaten übernimmt seine Frau die typografische Arbeit. 
1929

 

Studienreise nach Paris mit Oscar Lüthy und Walter Kern, Wiederaufnahme des Kontaktes zu Ernst Morgenthaler und Hans Arp. Es folgen Experimente in abstrakter Malerei.

Geburt des Sohnes Rudolf Caspar.

1930 Otto Baumberger zieht mit seiner Familie in die «Weid» in Unterengstringen (heute Ortsmuseum).
1931

Auf Empfehlung von Otto Salvisberg Lehrauftrag an der Architekturabteilung am Polytechnikum (heute ETH).

Von da an Teilnahme an Studienreisen, u.a. in die Sowjet-Union, woraus unzählige Reiseskizzen resultieren.

1939 Graphische Aufträge für die «Landi», darunter das Ausstellungspanorama sowie das Wandbild im Pavillon, ein 45m langer Fries, der das Werden des Bundes darstellt, vom Rütlischwur 1912 bis zur geistigen Landesverteidigung 1939.
1943 Schaffensphase zahlreicher grafischer Illustrationen, u.a. zu Goethes Faust und Dante Alighieris Divina Commedia.
1947 Ernennung zum Ausserordentlichen Professor am Polytechnikum (ETH).
1950

Ausstellung zum 60. Geburtstags im Kunsthaus Zürich (Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Lithografien)

Publikation von Aufsätzen und Vorlesungen zu Fragen zu Gestaltung und Kunsttheorie.

1953

Rückzug auf den Bruderberg bei Weiningen (ZH). 

Schaffensphase von abstrakten Kompositionen mitunter zu biblischen Themen.

1959 Ausstellung zum 70. Geburtstag in der Graphischen Sammlung der ETH (Auswahl von Arbeiten 1945 – 1959)
1961 Am 26.12.1961 stirbt Otto Baumberger im Bruderberg, Weiningen.

Ausstellungen posthum

1991 Ausstellung Otto Baumberger und die Schweizergeschichte, Stammheim
2000 Ausstellung Bilder von Otto Baumberger im Arbeitsalltag der Bioengineering AG, Wald ZH
2009 Ausstellung Graphische Werke von Otto Baumberger in der Zentralbibliothek Zürich mit gleichzeitiger Ausstellung seiner Plakatsammlung im Museum für Gestaltung, Zürich
2017 Im Rahmen der Ausstellung Macht Ferien! im Toni-Areal, Museum für Gestaltung, wird eine Auswahl von Plakaten Otto Baumbergers gezeigt.

PRESSE

Work in progress.

Werkverzeichnisse

Work in progress.


baumbergerlegacy.ch hat langfristig das Ziel, das Vermächtnis Otto Baumbergers der Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Eigentümer und aktuelle Besitzer von Werken Otto Baumbergers sind herzlich eingeladen, sich zwecks Erfassung der Werke mit uns in Verbindung (kontakt@baumbergerlegacy.ch).

Gerne nehmen wir Hinweise zum Verbleib jeglicher Werke Otto Baumbergers entgegen.